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Ganzrationale Funktionen — entdecken, verstehen, sichern Mathematik · Einführungsphase · Gymnasium Hessen · Themenfeld E.1

Was macht eine Funktion aus?

Sechs Bausteine, ein roter Faden: Von der Menge, aus der man einsetzen darf, bis zu der Frage, was passiert, wenn man einen Graphen verschiebt. Alles wird an ganzrationalen Funktionen erarbeitet — genau so, wie es das hessische Kerncurriculum für die Einführungsphase vorsieht.

So läuft jedes Modul

Fünf Schritte — immer gleich

① Einstieg② Vorhersage ③ Erkunden④ Sichern⑤ Anwenden & Sprechen

Wichtig: Die Schieberegler sind zu Beginn gesperrt. Erst wenn ihr eine Vorhersage abgegeben habt, könnt ihr sie bewegen. Das ist Absicht — wer vorher rät, lernt beim Beobachten deutlich mehr.

Verbindlich laut KCGO Hessen · Themenfeld E.1

Das lernt ihr hier

  • Definitionsmenge und Wertemenge angeben
  • Wertetabelle und grafische Darstellung sicher verbinden
  • Funktionsterm, Funktionsgleichung und Funktion unterscheiden
  • Symmetrie von Funktionsgraphen erkennen und begründen
  • Verhalten für betragsgroße Argumente — mit Limes-Schreibweise
  • Verschiebung und Streckung in x- und y-Richtung erkennen
Werkzeugkasten

Die Farben bleiben immer gleich

Damit ihr euch nicht neu orientieren müsst, hat jeder Parameter in der ganzen Anwendung dieselbe Farbe — im Regler, im Term und im Graphen.

ParameterWirkung
aStreckung in y-Richtung
bStreckung in x-Richtung
dVerschiebung in x-Richtung
eVerschiebung in y-Richtung

Zusammengesetzt: g(x) = a·f(b·(x − d)) + e

Für die Lehrkraft

Sozialform

Die Anwendung ist als Partnerwerkzeug gedacht: ein Gerät, zwei Personen, eine Maus. Die Forschung zu digitalen Mathematikwerkzeugen zeigt deutlich höhere Effekte bei Partnerarbeit als bei Einzelarbeit. Die Sprechanlässe (Kennzeichnung K6 Kommunizieren) sind fester Bestandteil, keine Zugabe.

1 · Definitionsmenge und Wertemenge

① Einstieg② Vorhersage③ Erkunden④ Sichern⑤ Anwenden
① Einstieg — noch ohne Erklärung

In eine ganzrationale Funktion darf man jede reelle Zahl einsetzen. Kommt auch jede reelle Zahl heraus?

Denkt kurz allein nach (Ich), tauscht euch dann zu zweit aus (Du). Notiert eine Vermutung — erst danach wird gerechnet.

Graph von f x-Wert (Definitionsmenge) bereits erreichte Funktionswerte
② Vorhersage — Regler noch gesperrt

Welche Werte kann f(x) = x² − 3 annehmen?

🔒 Der Regler entriegelt sich, sobald ihr euch entschieden habt.

③ Erkunden
Definitionsmenge D
Wertemenge W
aktuell zugeordnetf(0) = −3
④ Sicherung
  • Bei jeder ganzrationalen Funktion gilt D = ℝ — es gibt keine Nenner und keine Wurzeln, also keine verbotenen Stellen.
  • Grad ungeradeW = ℝ. Der Graph läuft auf der einen Seite nach oben, auf der anderen nach unten.
  • Grad gerade ⟹ W ist nach unten oder oben beschränkt: W = [Minimum; ∞[ bzw. ]−∞; Maximum].
  • Schreibweise: D = ℝ, W = [−3; ∞[ — die Klammer öffnet sich nach außen, wenn der Rand nicht dazugehört.
⑤ Anwenden & Sprechen
AFB Iangebengeschlossen

A1 · Gib die Wertemenge von f(x) = −x⁴ + 2 an.

Tipp 1 — metakognitiv

Was ist gegeben, was gesucht? Welchen Grad hat die Funktion, und was bewirkt das Minuszeichen vor x⁴?

Tipp 2 — Teilschritt

x⁴ ist nie negativ, also ist x⁴ ≥ 0. Was folgt daraus für −x⁴? Und was für −x⁴ + 2?

AFB IIangebenhalboffen

A2 · Gib eine ganzrationale Funktion an, deren Wertemenge W = [−4; ∞[ ist. Es gibt viele Lösungen.

Tipp 1

Welcher Grad kommt überhaupt infrage, wenn die Wertemenge nach unten beschränkt ist, nach oben aber nicht?

Tipp 2

Startet bei x². Dessen kleinster Wert ist 0. Wie verschiebt ihr diesen kleinsten Wert auf −4?

Tipp 3

x² hat das Minimum 0 — zieht 4 ab. Ein anderer Weg wäre 3x⁴ − 4 oder (x−1)² − 4.

AFB IIIbegründenK6 Kommunizierenoffen

A3 · Lina behauptet: „Wenn der Grad gerade ist, hat die Funktion immer ein Minimum." Begründet zu zweit, ob das stimmt, und findet gegebenenfalls ein Gegenbeispiel.

Satzbausteine „Die Aussage stimmt/stimmt nicht, weil …" „Ein Gegenbeispiel ist f(x) = …, denn dort gilt …" „Man müsste die Aussage so ergänzen: …"
Auflösen (erst nach der Diskussion!)

Die Aussage stimmt nur zur Hälfte: Bei geradem Grad ist die Wertemenge zwar beschränkt — aber je nach Vorzeichen des Leitkoeffizienten nach unten (Minimum, z. B. x²) oder nach oben (Maximum, z. B. −x⁴). Lina hat den Fall an < 0 vergessen.

2 · Wertetabelle, Graph und die Falle des Verbindens

① Einstieg② Vorhersage③ Erkunden④ Sichern⑤ Anwenden
① Einstieg

Reichen drei Punkte, um einen Graphen zu zeichnen?

Füllt die Wertetabelle für f(x) = x³ − 3x aus. Richtige Werte erscheinen sofort als Punkte im Koordinatensystem.

eure Punkte geradlinig verbunden wahrer Verlauf
③ Erkunden
② Vorhersage

Was passiert zwischen x = −1 und x = 1?

Concept Cartoon · Wer hat recht?

Drei Personen deuten dasselbe Weg-Zeit-Diagramm einer Radtour

Der Graph zeigt die zurückgelegte Strecke s in Abhängigkeit von der Zeit t. Ab der Mitte wird der Graph flacher. Wählt aus und begründet.

Ayla„Klar — da ist sie einen Berg hochgefahren. Man sieht doch die Steigung!"
Ben„Nein. Sie ist einfach langsamer geworden. Der Graph zeigt keine Landschaft."
Cem„Sie ist ein Stück zurückgefahren, deshalb geht es abwärts."
④ Sicherung
  • Eine Wertetabelle ist eine Stichprobe, kein Beweis. Zwischen zwei Tabellenwerten kann der Graph alles Mögliche tun.
  • Je höher der Grad, desto mehr „Kurven" sind möglich: Eine ganzrationale Funktion vom Grad n hat höchstens n Nullstellen und höchstens n−1 Extremstellen.
  • Ein Graph ist kein Bild der Wirklichkeit. Die y-Achse zeigt, was oben an ihr steht — nicht die Höhe eines Berges.
  • Kovariation beschreiben: „Wenn x von −1 auf 1 wächst, dann fällt f(x) von 2 auf −2."
⑤ Anwenden & Sprechen
AFB Iprüfengeschlossen

A1 · Prüft rechnerisch: Liegt der Punkt P(2 | 2) auf dem Graphen von f(x) = x³ − 3x?

AFB IIangebenhalboffen

A2 · Gib eine ganzrationale Funktion an, die durch die Punkte (0 | 0) und (2 | 0) verläuft und nicht die Nullfunktion ist.

Tipp 1

Wenn eine Funktion bei x = 0 und x = 2 den Wert 0 hat — welche Faktoren muss der Term dann enthalten?

Tipp 2

Multipliziert x · (x − 2) aus. Auch x·(x−2)·(x−5) oder 3x² − 6x funktionieren.

AFB IIbeschreibenK6 Kommunizierenoffen

A3 · Beschreibt einander in Worten, wie sich f(x) = x³ − 3x verhält, wenn x von −3 auf 3 wächst. Benutzt dabei mindestens dreimal die Formulierung „wenn … , dann …".

Satzbausteine „Wenn x von … auf … wächst, dann …" „Je größer x wird, desto …" „Bei x = … ändert sich das Verhalten, weil …"

3 · Funktionsterm, Funktionsgleichung, Funktion

① Einstieg③ Erkunden④ Sichern⑤ Anwenden
① Einstieg

Drei Schreibweisen, drei verschiedene Dinge — worin liegt der Unterschied?

Dieses Modul braucht keinen Regler. Es braucht Genauigkeit. Ordnet die folgenden Ausdrücke zu und begründet eure Entscheidung jeweils in einem Satz.

③ Erkunden — Sortieraufgabe
④ Sicherung
Funktionstermx³ − 2x
Funktionsgleichungf(x) = x³ − 2x  bzw.  y = x³ − 2x
Funktionf: ℝ → ℝ, x ↦ x³ − 2x
  • Der Term ist nur ein Rechenausdruck — er sagt nichts darüber, was womit verglichen wird.
  • Die Funktionsgleichung gibt dem Term einen Namen und ordnet ihm den Funktionswert zu.
  • Die Funktion ist die vollständige Angabe mit Definitions- und Zielmenge.
  • Achtung: x³ − 2x = 0 ist zwar eine Gleichung, aber keine Funktionsgleichung — hier wird nach x gesucht.
⑤ Anwenden & Sprechen
AFB Inennengeschlossen

A1 · Welche Zeile ist keine Funktionsgleichung?

AFB IIprüfengeschlossen

A2 · Fehlersuche: In einem Heft steht f = x² + 3x. Prüft, was daran ungenau ist.

AFB IIerläuternK6 Kommunizierenoffen

A3 · Erläutert einander, warum man sagen kann „die Funktion f", aber besser nicht „die Funktion x³ − 2x". Eine Person erklärt, die andere fragt nach, bis die Erklärung wirklich trägt.

Satzbausteine „Der Term allein legt noch nicht fest, …" „Zur Funktion gehört zusätzlich …"

4 · Symmetrie von Funktionsgraphen

① Einstieg② Vorhersage③ Erkunden④ Sichern⑤ Anwenden
① Einstieg

Man sieht einem Term an, ob sein Graph symmetrisch ist. Woran?

Schaltet einzelne Summanden an und aus. Der blasse Graph zeigt jeweils f(−x) — die an der y-Achse gespiegelte Funktion.

f(x) f(−x) (gespiegelt) −f(x)
② Vorhersage — Bausteine noch gesperrt

f(x) = x⁴ − 3x² + 1. Welche Symmetrie hat der Graph?

🔒 Nach eurer Entscheidung könnt ihr die Bausteine schalten.

③ Erkunden

Summanden an-/abschalten:

f(x)
f(−x)
Ergebnis
④ Sicherung
  • Kommen im Term nur gerade Exponenten vor (auch x⁰, also das absolute Glied), gilt f(−x) = f(x) — der Graph ist achsensymmetrisch zur y-Achse. Man nennt f dann eine gerade Funktion.
  • Kommen nur ungerade Exponenten vor (kein absolutes Glied!), gilt f(−x) = −f(x) — der Graph ist punktsymmetrisch zum Ursprung. f heißt ungerade.
  • Sind gerade und ungerade Exponenten vertreten, liegt keine dieser beiden Symmetrien vor. Achtung: Das heißt nicht, dass gar keine Symmetrie existiert — sie kann zu einer anderen Achse oder einem anderen Punkt bestehen (siehe Modul 7).
  • Nachweis im Heft immer über die Rechnung f(−x), nicht über den bloßen Blick auf den Graphen.
⑤ Anwenden & Sprechen
AFB Inennengeschlossen

A1 · Welcher Graph ist punktsymmetrisch zum Ursprung?

AFB IIangebenhalboffen

A2 · Gib eine Funktion 4. Grades an, die nicht achsensymmetrisch zur y-Achse ist — obwohl ihr Grad gerade ist.

Tipp 1

Der Grad sagt nur etwas über den höchsten Exponenten aus. Was ist mit den übrigen Summanden?

Tipp 2

Fügt zu x⁴ einen Summanden mit ungeradem Exponenten hinzu, etwa x oder x³.

AFB IIangebenhalboffen

A3 · Gib eine ungerade Funktion mindestens 5. Grades an, deren Graph durch den Punkt (1 | 3) verläuft.

Tipp 1

„Ungerade" heißt: ausschließlich ungerade Exponenten, also kein x⁴, kein x², keine Konstante.

Tipp 2

Setzt in euren Term x = 1 ein. Die Summe aller Koeffizienten muss 3 ergeben — z. B. x⁵ + 2x oder 3x⁵.

AFB IIIbeurteilenK6 Kommunizierenoffen

A4 · Which One Doesn't Belong? Vier Funktionen — jede fällt aus einem anderen Grund aus der Reihe. Beurteilt in Partnerarbeit für jede der vier, warum sie die Ausnahme sein könnte.

Ax³ − 4x
Bx⁴ − 4x²
Cx³ − 4x + 1
D2x⁵ − 8x³
Mögliche Argumente (erst nach der Diskussion)

A ist die einzige mit Grad 3 und Leitkoeffizient 1 und Punktsymmetrie. B ist die einzige achsensymmetrische / mit geradem Grad. C ist die einzige ohne Symmetrie (absolutes Glied!) und die einzige, die nicht durch den Ursprung geht. D ist die einzige mit Leitkoeffizient ≠ 1 und die einzige vom Grad 5. Wichtig ist nicht „die" Lösung, sondern das explizit gemachte Kriterium.

5 · Verhalten für betragsgroße Argumente

① Einstieg② Vorhersage③ Erkunden④ Sichern⑤ Anwenden
① Einstieg

Was passiert mit f(x) = x³ − 30x, wenn man immer weiter herauszoomt?

Im kleinen Ausschnitt sieht der Graph wild aus. Zoomt heraus — und beobachtet, womit er sich zunehmend deckt.

f(x) nur der Leitterm anxn
② Vorhersage — Zoom noch gesperrt

Wie sieht f(x) = x³ − 30x aus, wenn der Ausschnitt sehr groß ist?

🔒 Der Zoom-Regler entriegelt sich nach eurer Vorhersage.

③ Erkunden
Grad / Leitkoeffizient
Abweichung f vom Leitterm am Rand

Die Abweichung ist der relative Unterschied zwischen f(x) und dem Leitterm am rechten Rand des Ausschnitts.

④ Sicherung — die Vier-Felder-Tafel

Für betragsgroße x dominiert der Leitterm anxn. Alle anderen Summanden fallen relativ dazu nicht mehr ins Gewicht. Damit hängt das Randverhalten nur von zwei Dingen ab: dem Grad n und dem Vorzeichen von an.

Sprech- und Schreibweise: limx→+∞ f(x) = +∞ liest man „der Grenzwert von f(x) für x gegen plus unendlich ist plus unendlich" — gemeint ist: f(x) wächst über alle Grenzen. ∞ ist dabei keine Zahl, sondern eine Kurzschreibweise für dieses Verhalten.

⑤ Anwenden & Sprechen
AFB Iangebengeschlossen

A1 · Gib das Verhalten von f(x) = −2x⁴ + 7x³ − 5 für betragsgroße Argumente an.

Tipp 1

Welcher Summand hat den höchsten Exponenten? Nur er entscheidet.

Tipp 2

Leitterm ist −2x⁴. Grad 4 ist gerade, also verhalten sich beide Seiten gleich. Das Vorzeichen ist negativ.

AFB IIangebenhalboffen

A2 · Gib eine ganzrationale Funktion an mit limx→−∞ f(x) = +∞ und limx→+∞ f(x) = −∞.

Tipp 1

Beide Seiten verhalten sich entgegengesetzt. Was folgt daraus für den Grad?

Tipp 2

Ungerader Grad — und weil es rechts nach unten geht, muss der Leitkoeffizient negativ sein.

AFB IIIbegründenK6 Kommunizierenoffen

A3 · Begründet: Jede ganzrationale Funktion ungeraden Grades besitzt mindestens eine Nullstelle. Warum gilt das für Funktionen geraden Grades nicht?

Satzbausteine „Für x → −∞ gilt … , für x → +∞ gilt …" „Da der Graph keine Sprünge hat, muss er …" „Ein Gegenbeispiel bei geradem Grad ist … , weil …"
Tipp 1 — metakognitiv

Was wisst ihr über die beiden Enden des Graphen bei ungeradem Grad? Und was bedeutet es, dass ein Graph „nicht springt"?

Tipp 2 — Teilschritt

Bei ungeradem Grad läuft der Graph auf einer Seite nach +∞, auf der anderen nach −∞. Er nimmt also sowohl positive als auch negative Werte an.

Tipp 3 — Teillösung

Weil der Graph ohne Sprünge von einem negativen zu einem positiven Wert läuft, muss er die x-Achse mindestens einmal schneiden (Zwischenwertsatz, in der E-Phase anschaulich). Bei geradem Grad kann der Graph vollständig oberhalb der x-Achse verlaufen: f(x) = x² + 1 hat keine Nullstelle.

6 · Verschieben und Strecken

① Einstieg② Vorhersage③ Erkunden④ Sichern⑤ Anwenden
① Einstieg · Wichtiger Hinweis zum Vorgehen

Vier Wirkungen — aber immer nur eine auf einmal

Dieses Modul ist bewusst in vier getrennte Schritte zerlegt. Wer alle Parameter gleichzeitig verstellt, sieht am Ende viel und versteht wenig. Arbeitet die Schritte der Reihe nach durch — jeder hat seine eigene Vorhersage.

Ausgangsfunktion f neue Funktion g
② Vorhersage — Regler gesperrt

🔒 Erst vorhersagen, dann schieben.

③ Erkunden

g(x) = …

④ Sicherung — alle vier Wirkungen
TermWirkung auf den Graphenbleibt fest
f(x) + eVerschiebung um e nach oben (e < 0: nach unten)nichts
f(x − d)Verschiebung um d nach rechts (d < 0: nach links) — Vorzeichenfalle!nichts
a·f(x)Streckung in y-Richtung mit Faktor a; a < 0 spiegelt zusätzlich an der x-Achsedie Nullstellen
f(b·x)Streckung in x-Richtung mit Faktor 1/b: b > 1 staucht, 0 < b < 1 streckt; b < 0 spiegelt an der y-Achseder y-Achsenabschnitt

Alles zusammen: g(x) = a·f(b·(x − d)) + e. Beachtet die Klammer bei b: Erst wird verschoben, dann gestreckt — sonst stimmt die Reihenfolge nicht.

Spiel · Triff die Zielkurve

Die graue Zielkurve entstand aus f(x) = x³ − 3x durch Verschieben und Strecken. Schätzt zuerst die vier Parameter — erst danach dürft ihr schieben.

a ≈b ≈
d ≈e ≈
⑤ Anwenden & Sprechen
AFB Iangebengeschlossen

A1 · Der Graph von f(x) = x⁴ wird um 3 Einheiten nach rechts verschoben. Gib die neue Funktionsgleichung an.

AFB IIbeschreibengeschlossen

A2 · Beschreibe, wie aus dem Graphen von f(x) = x³ der Graph von g(x) = −2·(x + 1)³ − 4 hervorgeht.

AFB IIangebenhalboffen

A3 · Gib eine ganzrationale Funktion an, deren Graph aus dem Graphen von x² hervorgeht und deren tiefster Punkt bei (2 | −1) liegt.

Tipp 1

Der tiefste Punkt von x² liegt bei (0 | 0). Wohin muss er wandern — und in welcher Reihenfolge notiert man das?

Tipp 2

2 nach rechts bedeutet f(x − 2), also (x − 2)². Anschließend 1 nach unten.

AFB IIIbegründenK6 Kommunizierenoffen

A4 · My Favourite No. Aus einer Klassenarbeit: „Der Graph von f(x) = x² wird 4 nach rechts verschoben, also gilt g(x) = x² + 4."
Sagt zuerst, was an dieser Überlegung richtig gedacht ist. Begründet anschließend, wo genau der Bruch liegt.

Satzbausteine „Richtig ist, dass …" „Der Bruch liegt darin, dass …" „Man kann das prüfen, indem man den Punkt … einsetzt: …"
Auflösen (erst nach der Diskussion)

Richtig gedacht: „nach rechts" ist die positive x-Richtung, also gehört ein Plus zur Bewegung — das stimmt geometrisch. Der Bruch: Das „+4" wurde an den Funktionswert gehängt statt an das Argument; x² + 4 verschiebt nach oben. Probe: Der Scheitel soll bei (4 | 0) liegen, aber g(4) = 20. Mit g(x) = (x − 4)² gilt g(4) = 0. ✓

7 · Fordern & Fördern

Kein Pflichtprogramm, sondern eine Auslage. Jede Karte enthält drei Sätze Kontext und einen konkreten Auftrag. Wählt, was euch reizt — und erklärt es anschließend jemandem, der die Karte nicht gelesen hat.

Interaktiv · Polynome als Geheimnisträger

Shamir's Secret Sharing — rekonstruiert das Geheimnis

Drei Personen haben je einen Punkt einer geheimen Parabel p(x) = c₂x² + c₁x + c₀ erhalten. Das Geheimnis ist der y-Achsenabschnitt c₀ = p(0). Mit allen drei Punkten ist die Parabel eindeutig bestimmt — mit zweien weiß man nichts.

Das Geheimnis lautet:
Tipp 1 — metakognitiv

Gesucht ist p(0). Was ist gegeben? Wie viele Unbekannte hat p(x) = c₂x² + c₁x + c₀?

Tipp 2 — Teilschritt

Setzt jeden der drei Punkte in p(x) ein. Ihr erhaltet ein lineares Gleichungssystem mit drei Gleichungen und drei Unbekannten.

Tipp 3 — eleganter Weg

Mit der Lagrange-Formel geht es direkt: c₀ = p(0) = Σ yᵢ · Πj≠i (0 − xⱼ)/(xᵢ − xⱼ). Man muss die Parabel gar nicht vollständig aufstellen.

Interaktiv · Zerlegung in geraden und ungeraden Anteil

Jede Funktion ist die Summe einer geraden und einer ungeraden Funktion

Für jede auf einem symmetrischen Definitionsbereich definierte Funktion gilt:
f(x) = ½·(f(x) + f(−x)) + ½·(f(x) − f(−x)) — der erste Teil ist gerade, der zweite ungerade.

AFB IIIbeweisen

Auftrag: Beweist, dass diese Zerlegung eindeutig ist. Nehmt dazu an, es gäbe zwei Zerlegungen f = g₁ + u₁ = g₂ + u₂ mit geraden gᵢ und ungeraden uᵢ.

Tipp 1

Aus f = g + u folgt durch Einsetzen von −x: f(−x) = g(x) − u(x). Zwei Gleichungen, zwei Unbekannte.

Tipp 2 — Beweisskizze

Addition der beiden Gleichungen liefert g(x) = ½(f(x)+f(−x)), Subtraktion u(x) = ½(f(x)−f(−x)). Beide sind also durch f bereits festgelegt — damit kann es keine zweite Zerlegung geben. ∎

8 · Arbeitsblätter

Sechs Arbeitsblätter im A4-Format, passend zu den Modulen 1 bis 6, jeweils mit Tippkarten am Blattrand und einer Selbsteinschätzung. Ein Klick öffnet die druckfertige Ansicht — von dort aus über den Druckdialog auch als PDF speicherbar.

Für die Lehrkraft

Vorschlag für den Verlauf (5 Stunden)

StundeSchwerpunktSozialform
1Modul 1 + 2 · Mengen, Wertetabelle, Graph-als-Bild-KonfliktIch–Du–Wir, Concept Cartoon im Plenum
2Modul 3 + 4 · Begriffsschärfe, SymmetriePartnerarbeit am Gerät, WODB im Plenum
3Modul 5 · Fernverhalten, Limes-SchreibweisePeer Instruction: abstimmen → diskutieren → erneut abstimmen
4Modul 6 Schritte 1–2 · Verschiebungen, VorzeichenfallePartnerarbeit, „My Favourite No" im Plenum
5Modul 6 Schritte 3–4 + Zielkurve, Sicherung, Modul 7 als AuslageMathe-Konferenz in Vierergruppen

Hinweis zum Üben: Die Aufgaben der Arbeitsblätter sind bewusst verschränkt (interleaved) angeordnet, nicht nach Modulen geblockt — verschränktes Üben führt in kontrollierten Studien zu deutlich besserer Behaltensleistung, fühlt sich für die Lernenden aber zunächst anstrengender an. Das lohnt sich, kurz zu thematisieren.

9 · Die Klasse einladen

Legt die Datei auf euren Schulserver, ins Schulportal oder in Moodle und tragt die Adresse hier ein. Der QR-Code entsteht direkt im Browser — es werden keine Daten an einen externen Dienst gesendet.

Adresse eintragen

Tipp für den Unterricht: Den Code an die Wand projizieren und zusätzlich als kleines Bild auf jedes Arbeitsblatt drucken. Wer kein Handy dabei hat, tippt die Adresse ab — deshalb sollte sie kurz sein.

Fachlicher Nebenschauplatz

Warum funktioniert ein QR-Code, auch wenn er verschmutzt ist?

Weil in ihm ein Reed-Solomon-Code steckt (1960). Die Daten werden als Koeffizienten eines Polynoms aufgefasst und an mehr Stellen ausgewertet, als zur Rekonstruktion nötig wären. Fehlen einige Werte, lässt sich das Polynom aus den übrigen zurückgewinnen — dieselbe Idee wie bei der Interpolation in Modul 7. Dieselbe Technik sicherte übrigens die Bilder der Voyager-Sonden.

Zum Vergrößern anklicken

Klick auf den Code öffnet die Beamer-Ansicht.
Schließen mit Klick oder Esc.